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Immobilienlexikon

Vorkaufsrecht – wer darf eine Immobilie zuerst kaufen?

Ein Vorkaufsrecht gibt dem Berechtigten das Recht, eine Immobilie zu den gleichen Bedingungen zu erwerben, die ein Dritter mit dem Verkäufer vereinbart hat. Es kann gesetzlich, vertraglich oder kommunal begründet sein.

Beim Immobilienverkauf kann ein Vorkaufsrecht den Ablauf erheblich beeinflussen. Wir erklären die verschiedenen Formen und ihre Bedeutung für Käufer und Verkäufer.

§§ 463 ff.BGB
2 MonateAusübungsfrist
DinglichesIm Grundbuch
KommunalGemeinde-Recht
Definition

Das Vorkaufsrecht (§§ 463–473 BGB) berechtigt eine Person oder Körperschaft, in einen zwischen Verkäufer und Drittkäufer geschlossenen Kaufvertrag einzutreten – zu den gleichen Konditionen. Man unterscheidet schuldrechtliche (vertragliche), dingliche (im Grundbuch eingetragene) und öffentlich-rechtliche (kommunale) Vorkaufsrechte.

Arten
Die drei Formen des Vorkaufsrechts
Vertraglich, dinglich und kommunal – jede Form hat eigene Regeln.

Schuldrechtlich

Zwischen zwei Parteien vereinbart (z. B. Mieter und Vermieter). Wirkt nur zwischen den Vertragsparteien. Nicht im Grundbuch eingetragen. Frist: 2 Monate nach Mitteilung des Kaufvertrags (§ 469 BGB).

Dinglich

Im Grundbuch Abt. II eingetragen (§ 1094 BGB). Wirkt gegenüber jedem Käufer. Bleibt auch bei Eigentümerwechsel bestehen. Häufig bei Erbbaurechten und Nachbargrundstücken.

Kommunal

Gemeinden haben nach §§ 24–28 BauGB ein Vorkaufsrecht in bestimmten Gebieten (z. B. Sanierungsgebiete, Bebauungsplangebiete). Frist: 2 Monate. Die Gemeinde muss das Vorkaufsrecht im Interesse des Allgemeinwohls ausüben.

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Praxis
Vorkaufsrecht in der Kaufabwicklung
Wie sich das Vorkaufsrecht auf den Verkaufsprozess auswirkt.

Ablauf

Der Notar prüft bei jeder Beurkundung, ob Vorkaufsrechte bestehen. Bei kommunalem Vorkaufsrecht wird die Gemeinde informiert und hat 2 Monate Zeit zur Stellungnahme. Erst nach Verzicht oder Fristablauf kann die Eigentumsumschreibung erfolgen.

Negativzeugnis

In der Praxis stellt die Gemeinde ein „Negativzeugnis“ aus – eine Bescheinigung, dass kein kommunales Vorkaufsrecht ausgeübt wird. Ohne dieses Zeugnis verweigert das Grundbuchamt die Umschreibung. Die Bearbeitungszeit in Rostock beträgt ca. 2–4 Wochen.

Praxistipp: Beim Immobilienkauf den Grundbuchauszug auf dingliche Vorkaufsrechte (Abt. II) prüfen. Das kommunale Vorkaufsrecht erfragt der Notar automatisch. In Sanierungsgebieten in Rostock wird das kommunale Vorkaufsrecht aktiver geprüft.
Sonderfälle
Besondere Vorkaufsrechte im Überblick
Mieter, Erbbaurecht und Miteigentümer haben teils eigene Regeln.

Mieter-Vorkaufsrecht

Bei Umwandlung einer Mietwohnung in eine Eigentumswohnung hat der Mieter ein gesetzliches Vorkaufsrecht (§ 577 BGB). Es entfällt, wenn an einen Familienangehörigen verkauft wird. Frist: 2 Monate nach Mitteilung.

Erbbaurecht

Im Erbbaurechtsvertrag wird häufig ein Vorkaufsrecht zugunsten des Grundstückseigentümers oder des Erbbauberechtigten vereinbart. Diese Rechte sind im Grundbuch eingetragen und müssen beim Verkauf beachtet werden.

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Regionaler Bezug
Vorkaufsrecht in Rostock & MV
Kommunales Vorkaufsrecht und regionale Besonderheiten.

Rostocker Praxis

Die Hansestadt Rostock übt ihr kommunales Vorkaufsrecht selten aus – aber in Sanierungsgebieten und bei städtebaulich relevanten Grundstücken ist es ein reales Thema. Die Negativzeugnisse werden vom Amt für Stadtentwicklung ausgestellt.

Zeitfaktor

Die 2-Monats-Frist und die Bearbeitungszeit für das Negativzeugnis können den Verkauf um 4–8 Wochen verzögern. Bei zeitkritischen Transaktionen sollte der Notar frühzeitig anfragen. Büchel Immobilien berücksichtigt dies in der Verkaufsplanung.

Verwandte Begriffe
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Häufige Fragen
FAQ – Vorkaufsrecht
Die wichtigsten Fragen und Antworten auf einen Blick.
Was ist ein Vorkaufsrecht bei Immobilien?
Das Recht, eine Immobilie zu den gleichen Bedingungen zu erwerben, die ein Dritter mit dem Verkäufer vereinbart hat.
Welche Arten von Vorkaufsrechten gibt es?
Schuldrechtliche (vertraglich), dingliche (im Grundbuch eingetragen) und kommunale (öffentlich-rechtlich nach BauGB).
Wie lange hat man Zeit, das Vorkaufsrecht auszuüben?
In der Regel 2 Monate nach Mitteilung des Kaufvertrags.
Prüft der Notar das Vorkaufsrecht automatisch?
Ja, der Notar prüft bei jeder Beurkundung auf dingliche und kommunale Vorkaufsrechte.

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HinweisDieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Für Einzelfragen wenden Sie sich an einen Notar oder Fachanwalt. Stand: April 2026.
Quellen: §§ 463–473, 1094 BGB, §§ 24–28 BauGB, § 577 BGB (Mieter-Vorkaufsrecht).
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