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Immobilienlexikon · Buchstabe V

Vorkaufsrecht bei Immobilien – einfach erklärt

Ein Vorkaufsrecht gibt dem Berechtigten das Recht, bei einem Verkauf zu den gleichen Bedingungen einzusteigen – und den Käufer damit aus dem Vertrag zu drängen. Wer verkauft, muss wissen, ob ein solches Recht besteht.

Das Vorkaufsrecht ist ein Thema, das viele Verkäufer erst beim Notartermin kennenlernen – wenn der Notar die Anfrage an die Gemeinde verschickt. In den meisten Fällen wird das Vorkaufsrecht nicht ausgeübt. Aber es gibt Ausnahmen, die den Verkauf verzögern oder sogar platzen lassen können.

Definition: Was ist ein Vorkaufsrecht?

Definition
Das Vorkaufsrecht berechtigt eine Person oder Institution, bei einem Verkauf einer Immobilie in den abgeschlossenen Kaufvertrag einzutreten – zu den gleichen Bedingungen, die mit dem Käufer vereinbart wurden (§§ 463–473 BGB für das vertragliche, §§ 24–28 BauGB für das gemeindliche Vorkaufsrecht). Der Berechtigte „schiebt sich“ zwischen Verkäufer und Käufer und übernimmt den Vertrag.

Drei Arten von Vorkaufsrechten

Beim Immobilienverkauf können verschiedene Vorkaufsrechte greifen – manche offensichtlich, manche überraschend:

Gemeindliches VorkaufsrechtStädte und Gemeinden haben in bestimmten Gebieten (z. B. Sanierungsgebiete, B-Plan-Gebiete, Erhaltungssatzungen) ein gesetzliches Vorkaufsrecht. Der Notar fragt nach Beurkundung standardmäßig bei der Gemeinde an. Frist: zwei Monate. In der Praxis wird es selten ausgeübt – aber in Entwicklungsgebieten durchaus real.
Vertragliches VorkaufsrechtWird vertraglich vereinbart und im Grundbuch eingetragen (Abteilung II). Häufig bei Familien-internen Übertragungen oder zwischen Nachbarn. Der Berechtigte kann bei jedem Verkauf eintreten – zu den Konditionen des Kaufvertrags.
MietervorkaufsrechtWird eine Mietwohnung in eine Eigentumswohnung umgewandelt und erstmals verkauft, hat der Mieter ein Vorkaufsrecht (§ 577 BGB). Er kann die Wohnung zu den Konditionen des Kaufvertrags erwerben. In der Praxis kommt das bei Privatisierungen und Aufteilungen vor.

Vorkaufsrecht in Rostock – wo es relevant wird

In Rostock spielt das gemeindliche Vorkaufsrecht in bestimmten Stadtbereichen eine Rolle:

Sanierungsgebiete: Rostock hat in den letzten Jahrzehnten mehrere Sanierungsgebiete ausgewiesen – etwa in Teilen der Kröpeliner-Tor-Vorstadt und der Stadtmitte. In diesen Gebieten besteht ein erweitertes gemeindliches Vorkaufsrecht nach § 24 Abs. 1 Nr. 3 BauGB. Die Hanse- und Universitätsstadt Rostock hat grundsätzlich die Möglichkeit, in laufende Kaufverträge einzutreten – und hat in Einzelfällen auch davon Gebrauch gemacht.

Das Mietervorkaufsrecht kommt in Rostock gelegentlich bei der Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen zum Tragen – etwa wenn ein Mehrfamilienhaus aufgeteilt und einzeln verkauft wird.

Büchel-Praxis: Bei jedem Verkauf prüfen wir vorab, ob ein Vorkaufsrecht besteht – gemeindlich, vertraglich oder mietrechtlich. So gibt es keine Überraschungen nach dem Notartermin. Die Negativbescheinigung der Gemeinde (Verzichtserklärung) ist Voraussetzung für die Eigentumsumschreibung und wird standardmäßig vom Notar angefragt.

Häufige Fragen zum Vorkaufsrecht

Wie erfahre ich, ob ein Vorkaufsrecht besteht?

Bei vertraglichen Vorkaufsrechten hilft ein Blick in Abteilung II des Grundbuchs. Gemeindliche Vorkaufsrechte ergeben sich aus Satzungen und Bebauungsplänen – hier fragt der Notar standardmäßig bei der Gemeinde an. Das Mietervorkaufsrecht greift bei Erstverkauf nach Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen. Im Erstgespräch klären wir, welche Vorkaufsrechte für Ihr Objekt relevant sein könnten.

Was passiert, wenn die Gemeinde das Vorkaufsrecht ausübt?

Die Gemeinde tritt in den Kaufvertrag ein – zu den gleichen Konditionen, die mit dem ursprünglichen Käufer vereinbart wurden. Der Verkäufer erhält denselben Kaufpreis, aber der ursprüngliche Käufer geht leer aus. Die Gemeinde hat nach Zugang der Mitteilung zwei Monate Zeit, das Vorkaufsrecht auszuüben.

Kann ich ein Vorkaufsrecht umgehen?

Nein – gesetzliche Vorkaufsrechte können nicht umgangen werden. Versuche, das Vorkaufsrecht durch Scheingeschäfte oder überhöhte Kaufpreise auszuhebeln, sind rechtlich problematisch und können den Kaufvertrag anfechtbar machen. Ein vertragliches Vorkaufsrecht kann gelöscht werden, wenn der Berechtigte zustimmt.

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Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Für verbindliche Auskünfte zu Vorkaufsrechten wenden Sie sich an einen Notar. Angaben ohne Gewähr. Stand: März 2026.