Ratgeber · Rostock & MV

Grundsteuer-Reform in Rostock & MV – was Eigentümer jetzt wissen müssen

Seit Januar 2025 gilt die neue Grundsteuer. Rostock hat aufkommensneutral umgesetzt – aber für viele Eigentümer ändert sich die Steuerlast trotzdem deutlich. Und der Grundsteuerwert ist nicht der Verkehrswert.

345 %HEBESATZ A
438 %HEBESATZ B
~26 Mio. €AUFKOMMEN/J.
2029NEUBEWERTUNG
HinweisKeine Steuerberatung. Dieser Ratgeber bildet den Stand März 2026 ab. Für steuerliche Fragen zum Grundsteuerbescheid wenden Sie sich an Ihr Finanzamt oder Ihren Steuerberater. Wir klären die Immobilienseite: Was bedeutet die Reform für den Wert und die Vermarktung Ihrer Immobilie?
Hintergrund

Was sich seit 2025 geändert hat

Das Bundesverfassungsgericht erklärte 2018 die bisherige Berechnung für verfassungswidrig – weil sie auf Einheitswerten von 1935 (Ost) bzw. 1964 (West) basierte. MV hat kein eigenes Landesmodell eingeführt, sondern wendet das Bundesmodell (wertabhängig) an.

Vorher: Einheitswerte

Bewertung auf Grundlage uralter Wertverhältnisse. Gleiche Grundstücke in guter und schlechter Lage konnten nahezu gleich besteuert werden. Vom BVerfG als verfassungswidrig eingestuft.

Seit 2025: Grundsteuerwerte

Neubewertung aller Grundstücke auf Basis aktueller Bodenrichtwerte, pauschalierter Nettokaltmieten (Mietniveaustufe), Gebäudealter und Grundstücksart. Deutlich näher an realen Verhältnissen.

Folge: Belastungsverschiebung

Auch wenn die Gemeinde aufkommensneutral umsetzt, verschiebt sich die Last: Wer in besserer Lage wohnt, zahlt tendenziell mehr. Wer in schwächerer Lage wohnt, oft weniger. Gewollt.

Berechnung

So wird die Grundsteuer berechnet

Das Prinzip bleibt dreistufig – nur die erste Stufe hat sich grundlegend geändert: Grundsteuerwert × Steuermesszahl = Grundsteuermessbetrag → × Hebesatz der Gemeinde = Grundsteuer (Jahresbetrag). Stufe 1 & 2: Finanzamt · Stufe 3: Kommune · Zahlung vierteljährlich.

Was fließt in den Grundsteuerwert?

Im Bundesmodell (gilt für MV): Bodenrichtwert, Grundstücksfläche, Gebäudefläche, Gebäudeart, Baujahr bzw. Restnutzungsdauer und eine pauschalierte Miete je nach Mietniveaustufe der Gemeinde. Rostock ist Mietniveaustufe 4. Es handelt sich um ein Massenverfahren – keine individuelle Bewertung.

Was legt die Kommune fest?

Den Hebesatz – die große Stellschraube. Rostock hat den Hebesatz für 2025 bewusst gesenkt (von 520 % auf 438 % für Grundsteuer B), um aufkommensneutral zu bleiben. Andere Gemeinden in MV haben ähnlich gehandelt, manche auch nicht.

Rostock konkret

Rechenbeispiele für Rostock (ab 2025)

Konkrete Zahlen für typische Rostocker Immobilien mit dem neuen Hebesatz von 438 %.

ETW (96 m², Bj. 1928)

Bodenrichtwert 400 €/m². Grundsteuerwert ca. 110.900 €.

Grundsteuer: ca. 179 €/Jahr

EFH (101 m², Bj. 2001)

300 m² Grundstück, BRW 350 €. Grundsteuerwert ca. 262.600 €.

Grundsteuer: ca. 423 €/Jahr

ZFH (116 m², Bj. 1972)

BRW 650 €. Grundsteuerwert ca. 191.200 €.

Grundsteuer: ca. 308 €/Jahr

Quelle: rathaus.rostock.de. Hebesätze können von der Bürgerschaft nachjustiert werden. Nächste bundesweite Hauptfeststellung: 1. Januar 2029.

Grundsteuerwert ≠ Verkehrswert. Was ist Ihre Immobilie wirklich wert?

Wert einschätzen
Wichtig

Grundsteuerwert ist nicht der Verkehrswert

Der Gutachterausschuss und die Notarkammer MV warnen ausdrücklich davor, den Grundsteuerwert mit dem Marktwert gleichzusetzen. Wer den Grundsteuerwert als Verkaufspreis ansetzt, riskiert erhebliche Fehleinschätzungen.

Grundsteuerwert (Finanzamt)

Pauschaliertes Massenverfahren mit statistischen Durchschnittswerten. Stichtag 1.1.2022. Berücksichtigt keine späteren Preisschwankungen, keinen Zustand, keine Ausstattung, keine Besonderheiten. Dient ausschließlich der Steuerberechnung.

Verkehrswert / Marktwert

Individuelle Bewertung nach § 194 BauGB. Berücksichtigt Zustand, Ausstattung, Lage im Detail, aktuelle Marktlage, Mietverträge, Baurecht. Entscheidend für Kaufpreis, Finanzierung, Erbschaft und Schenkung.

Beispiel: Der Grundsteuerwert einer Rostocker Wohnung kann 110.000 € betragen, während der tatsächliche Marktwert bei 180.000 oder 240.000 € liegt – oder umgekehrt. Wer verkaufen, erben oder schenken will, braucht eine echte Wertermittlung.

Nebenkosten

Grundsteuer als Nebenkostenfaktor

Was die Reform für Vermieter, Käufer und Kapitalanleger bedeutet.

Vermieter: Umlegbar

Die Grundsteuer zählt zu den umlegbaren Nebenkosten (§ 2 BetrKV). Voraussetzung: Die Umlage muss im Mietvertrag vereinbart sein. Bei ETW gilt die Aufteilung nach Miteigentumsanteilen.

Käufer: Kosten kalkulieren

Die jährliche Grundsteuer gehört zu den Betriebskosten, die beim Kauf oft vergessen werden. In Rostock: 150–500 €/Jahr je nach Objekt. Den Hebesatz der Gemeinde vorab prüfen – er variiert im Umland erheblich.

Anleger: Rendite beachten

Höhere Grundsteuer = höhere Nebenkosten für Mieter = geringere Kaltmiete-Spielräume. Bei der Renditeberechnung gehört die Grundsteuer in die Betriebskosten-Kalkulation. Mehr zur Kapitalanlage →

Die Grundsteuer betrifft auch Käufer – laufende Kosten richtig kalkulieren.

Beratung anfragen
Praxis

Bescheid prüfen – 5 Schritte

Wer den neuen Grundsteuerbescheid bekommt, sollte ihn nicht einfach ablegen. Fehler passieren – Einspruch ist möglich.

1. Bescheide unterscheiden

Es gibt drei Bescheide: Grundsteuerwertbescheid (Finanzamt), Grundsteuermessbescheid (Finanzamt), Grundsteuerbescheid (Stadt). Einspruch gegen die Bewertung geht nur beim Finanzamt – nicht bei der Stadt.

2. Angaben prüfen

Stimmen Grundstücksfläche, Wohnfläche, Baujahr, Grundstücksart? Fehlerhafte Angaben in der Grundsteuererklärung übertragen sich direkt in den Bescheid.

3. Bodenrichtwert kontrollieren

Der Bodenrichtwert fließt stark in die Berechnung ein. Ob er für Ihr Grundstück angemessen ist, können Sie über die Bodenrichtwert-Karte des Gutachterausschusses prüfen.

4. Frist beachten

Einspruch gegen den Bescheid muss innerhalb eines Monats nach Zugang beim Finanzamt eingelegt werden. Auch bei laufendem Einspruch bleibt die Grundsteuer zunächst zahlungspflichtig.

5. Steuerberater hinzuziehen

Bei Unklarheiten oder größeren Abweichungen: Steuerberater oder Rechtsanwalt einschalten. Zahlreiche Einspruchsverfahren laufen bundesweit.

FAQ

Häufige Fragen: Grundsteuer-Reform

Ist die Grundsteuer in Rostock gestiegen?
Insgesamt nein – Rostock hat den Hebesatz von 520 % auf 438 % gesenkt, um aufkommensneutral zu bleiben. Im Einzelfall kann die Grundsteuer aber deutlich gestiegen oder gesunken sein, weil die Neubewertung Lage und Gebäudeart stärker berücksichtigt. Einfamilienhäuser in guter Lage zahlen tendenziell mehr, Plattenbauwohnungen oft weniger.
Ist der Grundsteuerwert gleich dem Immobilienwert?
Nein. Der Grundsteuerwert ist ein pauschalierter steuerlicher Wert, der ausschließlich der Steuerberechnung dient. Er entspricht in der Regel nicht dem tatsächlichen Marktwert. Wer verkaufen, erben oder schenken möchte, braucht eine individuelle Wertermittlung – nicht den Grundsteuerbescheid.
Kann ich die Grundsteuer auf den Mieter umlegen?
Ja. Die Grundsteuer gehört laut Betriebskostenverordnung (§ 2 BetrKV) zu den umlagefähigen Nebenkosten. Voraussetzung: Die Umlage muss im Mietvertrag vereinbart sein. Vermieter geben die tatsächlich gezahlte Grundsteuer anteilig an die Mieter weiter.
Wie kann ich Einspruch gegen den Bescheid einlegen?
Der Einspruch richtet sich gegen den Grundsteuerwertbescheid oder den Grundsteuermessbescheid beim Finanzamt (nicht bei der Stadt). Die Frist beträgt einen Monat nach Bekanntgabe. Auch bei laufendem Einspruch muss die Grundsteuer zunächst gezahlt werden – eine Änderung erfolgt rückwirkend bei Erfolg.
Wann kommt die nächste Neubewertung?
Die nächste Hauptfeststellung der Grundsteuerwerte ist auf den 1. Januar 2029 geplant. Sie soll weitgehend automationsgestützt erfolgen. Änderungen (Neubau, Abriss, Nutzungsänderung) müssen auch jetzt schon dem Finanzamt angezeigt werden.

Grundsteuerwert und Verkehrswert – zwei verschiedene Welten

Verkaufen Sie nicht auf Basis des Grundsteuerbescheids. Wir ordnen ein, was Ihre Immobilie am Markt tatsächlich wert ist.

HinweisAlle Angaben ohne Gewähr. Keine Steuer- oder Rechtsberatung. Für steuerliche Fragen zum Grundsteuerbescheid ist das zuständige Finanzamt oder ein Steuerberater Ansprechpartner. Wir klären die Immobilienseite: Wert, Zustand, Vermarktungsstrategie.
Stand: März 2026 · Quellen: rathaus.rostock.de, Gutachterausschuss Rostock, Finanzministerium MV · Hebesätze können nachjustiert werden · Büchel Immobilien Rostock – Alle Ratgeber
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